Ein Eisunfall stellt immer einen hochgradig zeitkritischen Einsatz dar. Es besteht die akute Gefahr einer raschen Unterkühlung. Oberstes Ziel ist es daher, die verunfallte Person so schnell wie möglich aus der Kälte zu befreien. Bereits nach kurzer Zeit im Wasser mit Temperaturen um den Gefrierpunkt können Lähmungserscheinungen auftreten, die im schlimmsten Fall tödlich enden können.
Am 13. Januar nutzten wir die milden Temperaturen für einen solchen Sonderdienst. Die Eisrettung ist ein wichtiger Bestandteil der Wasserrettung, eine gesonderte Ausbildung ist daher unerlässlich.
Zum Zeitpunkt der Übung war das Eis sehr dick und wies eine hohe Tragfähigkeit auf. Um eine realistische Rettungssituation darstellen zu können, sägten wir ein Loch ins Eis, durch das die Eisrettung simuliert wurde. Sowohl die zu rettende Person als auch die beiden Retter trugen Überlebensanzüge. Diese schützen im eiskalten Wasser vor dem Auskühlen, bieten ausreichend Auftrieb und verhindern ein Untergehen. Dank der auffälligen orangenen Farbe sowie integrierter Signalleuchten sind die Anzugträger auch aus größerer Entfernung gut erkennbar.
Aufgrund der niedrigen Außentemperaturen bauten wir das Schnelleinsatzzelt auf, das als Umkleide- und Aufwärmöglichkeit diente. Parallel dazu wurde der Wasserrettungssteg auf dem Eis ausgerollt und aufgeblasen. Dieser sorgt für eine gleichmäßige Lastverteilung, gleicht mögliche Schwachstellen im Eis aus und bietet den Rettern zusätzlichen Rutschschutz.
Der verunfallte Kamerad begab sich im Überlebensanzug auf das Eis und stieg in das zuvor geschaffene Eisloch. Anschließend lief der erste Retter über den Rettungssteg zur Unfallstelle und begab sich ebenfalls ins Wasser, um die verunfallte Person über Wasser zu halten. Im Eiswasser verlieren Betroffene durch Kälte, Nässe und Panik sehr schnell an Kraft.
Im nächsten Schritt begab sich der zweite Retter mit einem Spineboard über den Rettungssteg auf die Eisfläche und führte dieses senkrecht in das Eisloch ein. Mithilfe des Hebeleffekts zogen die Retter die verunfallte Person mit dem Spineboard auf die Eisfläche und brachten sie anschließend sicher an Land.
Während der gesamten Übung waren beide Retter sowie das Spineboard dauerhaft angeleint und durch Kameraden am Ufer gesichert. Diese Sicherung dient sowohl der Unterstützung bei der Rettung als auch der Absicherung im Notfall oder beim Rückzug vom Eis.
Das Szenario wurde mehrfach unter unterschiedlichen Gegebenheiten geübt, um den standardisierten Ablauf zu festigen und die Einsatzsicherheit weiter zu erhöhen.